Ein neuer Rekord - Reiseblog Mai 2026

Fünf Länder innerhalb eines Monats - das ist eindeutig ein neuer Rekord für uns. Zu Beginn des Wonnemonats noch in Albanien und am Ende bereits in Ungarn. Dabei erlebten wir wunderschöne Natur, teils katastrophale Straßen, lange Fahrtage, aber auch erholsame Pausen an fast einsamen Stellplätzen.
Außerdem gab es einen Abschied und ein Wiedersehen, Freude und auch Frust sowie die erste Hitzewelle des Jahres inkl. akuter Mückenplage. Schneller als geplant ging es erneut durch den Balkan. Wir haben neue Erfahrungen gesammelt und können für uns nun ein Resümee ziehen.
Doch der Reihe nach und lest selbst, was der Mai uns alles beschert hat.

Ciao Alessandra und Daniele
Während unserer letzten Tage auf dem Campingplatz kamen immer mehr Gäste und es war ein ständiges Kommen und Gehen. Waren wir beim ersten Mal zu Saisonende vor Ort, erlebten wir diesmal den Beginn der Saison. Somit herrschte stets ein reges Treiben und auch Abwechslung - angefangen von den verschiedenen Reisefahrzeugen, über die unterschiedlichen Nationalitäten bis hin zu diversen Gesprächen über Reiseerfahrungen und -ziele.
Ratzfatz waren die geplanten zwei Wochen rum und erneut hieß es Abschied nehmen von Alessandra, Daniele und diesem schönen Platz. Wann wir uns wiedersehen, steht in den Sternen. Aber das wir uns wiedersehen, ist gewiss.
Nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, zog es uns direkt zur Grenze. Auch diesmal wurden wir mit Albanien nicht so richtig warm, weshalb wir den Aufenthalt in diesem Land auch nicht unnütz verlängern wollten. Außerdem war unsere SIM-Karte bereits abgelaufen, was ein weiterer Grund war, schnell ins nächste Land zu kommen.

Raus aus Albanien, rein nach Montenegro
Der Weg bis zur Grenze führte uns durch ländliche Regionen, aber auch durch Skodra. Neu gebaute Häuser, zum Teil halbe Prachtvillen, neben abrissreifen Hütten prägten immer mehr das Landschaftsbild. Zwischendrin der ein oder andere Eselskarren unweit eines dicker BMWs oder Mercedes.
Auf der einen Seite wirkt das Land arm, aber auf der anderen wiederum, als sei der Reichtum ausgebrochen. Wir können es uns nicht erklären, aber kein Land auf unserer Reise hatte bisher diesen faden Beigeschmack. Für manch einen ist Albanien das absolute Reiseland, für uns jedoch eher nur ein Transitland.

Die Ausreise aus Albanien am 04. Mai 2026 erfolgte kurz und schmerzlos und war innerhalb von 5 Minuten erledigt. Auch an der Grenze zu Montenegro dauerte es keine 5 Minuten - ein Stempel in die Reisepässe, ein freundliches Willkommen und schon wurden wir durchgewunken.
Die ersten Kilometer zuckelten wir einige Höhenmeter hinauf, stets mit Blick auf den Skutari- oder auch Skadarsee. Danach ging es vorbei an einigen Schafherden sowie unzähligen Weinstöcken - unserem ersten Ziel entgegen.

Großstadtgeflüster
In Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, war es erstmal vorbei mit der Einsamkeit und dem ruhigen Dahingleiten auf der Straße. Doppelspurige Fahrbahnen, riesige Hochhäuser, Unmengen an Fahrzeugen und wir mittendrin.
Einen passenden Parkplatz für ein Wohnmobil unserer Größe zu finden, erforderte einiges an Geduld und kostete auch gut Nerven. Die Parkplätze waren einfach nicht für solche Dickschiffe ausgelegt und so mussten wir mehrere Runden drehen, bis wir ein entsprechendes Plätzchen entdeckten.

Dann hieß es, wie in jedem Land kurz nach der Einreise, die ersten Amtshandlungen anzugehen. Eine SIM-Karte (1 TB für 20 EUR mit 30 Tage Gültigkeit) war schnell organisiert und funktionierte bereits nach wenigen Minuten. Die Vorräte wurden ordentlich aufgestockt und Christian konnte sich in einem Baumarkt mal wieder ausgiebig austoben.
Inzwischen hatte er neue kleine Bastelprojekte an Mo geplant, die er in den kommenden Wochen ausführen wollte. Nachdem wir alles hatten, was wir brauchten, flüchteten wir ganz schnell raus aus der Stadt und steuerten erneut einen uns bereits bekannten Platz an.

Ein Platz zum Verweilen
Dieser befand sich an einer Schlucht, wo der Fluss Cijevna entlang fließt, und wir bereits im September 2024 mehrere Tage hier verweilten. Allerdings gestaltete sich die Anfahrt zu diesem Platz damals etwas abenteuerlich, da das letzte Stück recht steil und etwas ausgewaschen war. Diesmal glitten wir in einem Zug dahin, denn inzwischen war die Straße sowie der gesamte Stellplatz komplett asphaltiert. Dadurch ging zwar der Charme ein wenig verloren, aber die Aussicht und die Ruhe glichen dies entsprechend aus.

Neben Route planen, arbeiten im Homeoffice und lecker Kuchen backen, machte ich regelmäßig Ausflüge in die nähere Umgebung. Einer davon ging zu den knapp 5 km entfernten Niagara Fällen. Hierbei handelt es sich um einen künstlich angelegten Wasserfall, bei dem das Wasser an mehreren Stellen in die bis zu 10 Meter tiefe Schlucht stürzt. Im Sommer kann es vorkommen, dass das Flussbett komplett ausgetrocknet und somit auch kein Wasserfall zu sehen ist. Jetzt im Mai war jedoch durch die Schneeschmelze im Prokletje-Gebirge ausreichend Wasser vorhanden, so dass die verschiedenen Wasserfälle gut zu erkennen waren.

Da es sich um die selbe Schlucht handelte, wie die an unserem Platz, hatten wir sogar einen kleinen Wasserfall direkt vor der Haustür. Während wir diesen die erste Woche noch sehr gut erkennen konnten, verschwand jener in der zweiten Woche nach starken Regenfällen komplett. Der Wasserstand der Cijevna war innerhalb weniger Tage um gute 3 Meter gestiegen. Aber da wir weit gut genug oberhalb der Schlucht standen, brauchten wir uns keine Gedanken darüber zu machen, nasse Füße zu bekommen.
Die meiste Zeit in den zwei Wochen waren wir komplett für uns allein. Neben den täglichen, kurzen Besuchen von Einheimischen verirrten sich hin und wieder andere Camper hierher, wobei einige es irgendwie noch nicht verstanden hatten, wie man sich an solchen Plätzen zu benehmen hat. Das absolute Campingverhalten - Stühle, Tische, sogar Sonnenliegen mitten auf den Weg und ganz wichtig ein Lagerfeuer, was uns immer sauer aufstoßen lässt. Denn durch dieses egoistische Verhalten wird das Freistehen an solchen Plätzen irgendwann nicht mehr so ohne Weiteres geduldet. Wir schluckten unseren Groll hinunter und waren stets froh, wenn jene Camper den Platz wieder verließen.
Bastelprojekte
Christian konnte in jener Zeit einigen Bastelprojekten nachgehen, die auf seiner nicht enden wollenden Liste standen. So montierte er eine zusätzliche Alukante auf dem Dach, die als Regenablaufrinne dienen sollte. Wenn wir ungünstig standen, konnte es nämlich vorkommen, dass das Wasser vom Dach auf die Regenrinne unserer Tür floss und bei zu starkem Regen dann zu unserer Tür herein.
Außerdem nähte er noch zwei weitere Sonnenschutzhüllen für unsere Fenster. Eine hatten wir bereits, aber schließlich hatten wir drei Fenster und der Sommer kam in großen Schritten auf uns zu. Teilweise Temperaturen bis an die 30 Grad hatten wir schon an dem ein oder anderen Tag und waren froh, mittels der Hüllen nun die Fenster zum einen vor der Sonne schützen und zum anderen diese auch zwecks Durchzug offen lassen zu können.
Da wir auf perfektem Bodenbelag für Arbeiten unter Mo an diesem Platz standen, nutzte Christian auch noch die Gelegenheit ihm ein bisschen Liebe zukommen zulassen. Ein bisschen putzen hier, ein bisschen entrosten und malen da und schon glänzte der alte Bursche wieder wie neu.
Die letzten Tage in Montenegro
Aufgrund absoluter Leere in unserem Kühlschrank mussten wir uns erneut von diesem schönen Platz verabschieden. Unsere Fahrt verlief einmal quer durch Podgorica, wo wir seit langem mal wieder in einem Stau standen - aber nur für 10 Minuten. Wir füllten sämtliche Vorräte auf und legten einen Zwischenstopp am Eurotruck Center ein, unser Ersatzteilgeschäft des Vertrauens. Im Anschluss ging es weiter in die Berge Montenegros, mit wunderschönen Aussichten und angenehmeren Temperaturen.
Am Krupac See fanden wir erneut ein idyllisches Plätzchen, wobei dieses anscheinend auch sehr gern von den Einheimischen für das ein oder andere Schäferstündchen genutzt wurde. Überall lagen Feuchttücher und Kondome herum, was zumindest darauf schließen lässt, dass Verhütung ein wichtiges Thema ist. Wir versuchten den Müll um uns jedoch soweit es ging auszublenden und verbrachten unsere letzten Tage in Montenegro mit vereinzelten Spaziergängen über die Staumauer sowie dem Streicheln der unzähligen Platzhunde.
Am 20. Mai 2026 brachen wir auf zur nächsten Grenze. Auf dem Weg dahin kamen wir an unzähligen Flaggen vorbei, die an Brücken oder Häusern angebracht waren. Die Montenegriner bereiteten sich auf ihren 20. Unabhängigkeitstag vor, der jedes Jahr am 21. Mai gefeiert wird. Im Jahr 2006 gab es eine Bürgerabstimmung, bei der bei einer Wahlbeteiligung von 87% etwas mehr als 55% der Wähler für einen internationalen, unabhängigen Staat Montenegros stimmten. Seit dem sind Montenegro und Serbien (wieder) eigenständige Staaten.
An dem kleinen Grenzübergang bei Vracenovici fuhren wir an der LKW-Schlange vorbei und mussten rund 15 Minuten warten, bis die PKWs vor uns durch die Grenzkontrolle waren. Der Grenzbeamte freute sich über den Anblick unseres Iveco und ich freute mich über die Stempel in unseren Reisepässen. Einen Blick in Mo wollte niemand werfen, was Christian wiederum freute. So verabschiedeten wir uns zum zweiten Mal auf dieser Reise von Montenegro. Auch wenn wir erneut nicht in der Bergwelt des Durmitor Nationalparks waren und auch keinen Abstecher zu den anderen Nationalparks eingelegt hatten, zog uns die Landschaft Montenegros auch diesmal in ihren Bann.
Hallo Bosnien und Herzegowina
Da sich der Grenzposten von Bosnien und Herzegowina direkt unter dem gleichen Dach wie Montenegro befindet, waren es nur wenige Schritte zu Fuß für mich, bis ich erneut unsere Pässe vorlegte. Der Grenzbeamte war weniger gesprächig, setzte jedoch auch hier in unsere Pässe jeweils einen Stempel. Einen Blick in Mo wollte erneut niemand werfen und so waren wir so schnell in BiH eingereist, dass ich nicht einmal die Zeit hatte ein richtiges Foto zu machen.
In Bileća legten wir einen ersten Zwischenstopp ein, um eine SIM Karte zu kaufen. Dies gestaltete sich diesmal etwas schwieriger als gedacht, denn es gibt in BiH einfach keine Pakete mit hohem Datenvolumen - zumindest nicht, wenn man eine physische SIM-Karte benötigt. Zum Glück hatten wir noch ein paar GB Roaming von unserer SIM-Karte aus Montenegro. So würden wir während unseres Aufenthalts in BiH eben zwischen verschiedenen Karten hin und her wechseln. Denn wir hatten sogar noch eine SIM-Karte übrig, die wir bei unserem letzten Besuch gekauft hatten. Und nach 1,5 Jahren konnte diese erstaunlicherweise problemlos aktiviert werden.
Landschaftlich stand BiH übrigens in Montenegro nichts nach. Schöne Bergwelten, sattgrüne Wiesen und schmale Straßen. Aber zum Glück hielt sich der Verkehr in Grenzen, so dass es einigermaßen zu fahren war. Während wir das letzte Mal die Westseite von BiH runter gefahren sind, sollte unsere Route diesmal auf der Ostseite nach oben gehen.
Unser erster Stellplatz am Klinje See, war leider nicht ganz so perfekt wie erhofft. Denn die Abfahrt zum eigentlichen Platz war zu ausgewaschen und auch recht steil. Daher blieben wir oberhalb des Sees etwas eingerückt neben der Straße stehen. Zum Glück war diese nicht allzu stark befahren, so dass wir nachts nur die Naturgeräusche um uns herum hörten. Somit ging es am nächsten Tag aber auch schon weiter. Dabei entdeckten wir übrigens nur wenige 100 Meter nach unserem Stellplatz eine große Parkbucht, die super anzufahren war und wo wir auch einen Tag länger stehen geblieben wären. Tja, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Im Schweinsgalopp durch BiH
Weiter ging es durch den Sutjeska Nationalpark, welches der älteste Nationalpark in Bosnien und Herzegowina ist. Direkt am Wegesrand befindet sich das Tjentište-Denkmal mit seinen Flügeln des Siegers. Die Skulptur ist der gefallenen Partisanen der legendären Schlacht an der Sutjeska von 1943 gewidmet, als diese bei der 5. Nazi-Offensive aus der feindlichen Einkesselung ausbrachen. Da wir bereits um 8:00 Uhr da waren, hatten wir das Denkmal ganz für uns allein. Mit der aufgehenden Sonne hinter den Bergen ergab dies eine richtig mystische Stimmung. Das Museum war leider noch geschlossen und weil wir noch ein paar Kilometer vor uns hatten, ging es bereits nach kurzer Zeit weiter.
Kurz hinter Brod bogen wir auf die M18 Richtung Sarajevo ab. Dies war die direkte Verbindungsstraße zur Hauptstadt von BiH. Allerdings kamen wir nicht weit, denn nach knapp 15 km winkte uns die Polizei heraus. Wir dachten es sei eine allgemeine Fahrzeugkontrolle und könnten nach kurzer Zeit unseren Weg fortsetzen. Aber anstelle einer Kontrolle wurde uns mitgeteilt, dass wir die Straße nicht weiterfahren durften, da diese nur für Fahrzeuge bis 3,5to zugelassen war. Wir hatten nirgends ein Hinweisschild hierzu gesehen und waren etwas perplex. Angeblich würde dieses Schild wenige Kilometer nach diesem Kontrollpunkt kommen.
Da wir uns auf keine Diskussion mit der Polizei einlassen wollten, drehten wir (Zähne knirschend) um und fuhren die knapp 15km zurück nach Brod. Nun hieß es erstmal neue Route raussuchen und ebenso auch neue Stellplätze. Denn unsere geplante Route konnten wir so nun nicht mehr fortsetzen und ewig große Umwege mit unnötigen Höhenmetern wollten wir vermeiden.
So ging es auf der M20 für uns weiter, wobei wir uns von Sarajevo immer mehr entfernten. Die Bobbahn würden wir nun doch nicht besichtigen, was mich ein wenig ärgerte. Aber man kann nun mal nicht alles haben. Entschädigt wurde ich stattdessen von der wunderschönen Natur BiHs. Vorbei an der Drina, durch Schluchten und Tunnel und überall war dieses satte Grün. Es erinnerte mich fast ein bisschen an Georgien, nur dass es in BiH etwas matter war. Christian hingegen hatte mit den teils schmalen Straßen zu kämpfen, was das Fahren sehr anstrengend machte. Die M-Straßen in BiH entsprachen den deutschen Bundesstraßen, zumindest was die Funktionalität anging. Die Qualität war jedoch keineswegs vergleichbar.
Nach fast 180 km und unzähligen Höhenmetern später, fanden wir unseren zweiten und gleichzeitig letzten Stellplatz in BiH - direkt neben einer kleinen Kapelle mit angrenzendem Friedhof. Von hier aus hatten wir eine schöne Sicht auf die umliegende Landschaft, da wir ein bisschen exponiert wie die Kerze auf der Torte standen. Allerdings hatten wir absolut keine Muse mehr noch weiterzufahren. Die Nacht war vollkommen ruhig und weil uns die Fahrt vom Vortag noch so in den Knochen saß, entschieden wir spontan einen Pausentag einzulegen.

Die EU hat uns wieder
Auf unserem weiteren Weg durch BiH entschieden wir uns anstelle einer M-Straße mal eine R-Straße zu fahren, da die Strecke rund 30 km kürzer sein sollte. Anfangs war die Straße auch soweit noch ganz gut zu fahren - zwar etwas schmal, mit einigen Bodenwellen und bei Gegenverkehr zum Teil auch heikel. Aber nichts, was nicht zu meistern gewesen wäre. Allerdings hörte von einem Moment auf den anderen plötzlich der Asphalt auf und wir fuhren auf einem Feldweg, wo sich ein Schlagloch an das andere reihte und diese auch noch mit Wasser gefüllt waren.
Für 3 km benötigten wir fast 45 Minuten, denn Umdrehen war mangels fehlender Wendemöglichkeit ausgeschlossen. Wir machten drei Kreuze, als wir wieder Asphalt unter den Rädern hatten und schworen uns, keine R-Straßen in BiH mehr zu fahren. Um Mo ein bisschen Liebe zukommen zu lassen und auch den Dreck direkt abwaschen zu können, fuhren wir bei der nächsten SB-Waschanlage raus. Glücklicherweise gibt es diese in BiH in regelmäßigen Abständen und auch zu recht günstigen Preisen. Dabei konnten wir unsere stark strapazierten Nerven ein wenig beruhigen und uns für die weiteren Kilometer wappnen.
Denn von den rund 200 geplanten Kilometern für den Tag hatten wir gerade mal die Hälfte hinter uns. Nach einem kurzen Zwischenstopp an einem Baumarkt, hielten wir noch an einer Tankstelle an, wo wir den günstigsten Dieselpreis an dem Tag erwischten. Für umgerechnet 1,61 EUR / Liter wurde Mo noch einmal vollgetankt, bevor es weiter zur nächsten Grenze ging.
Innerhalb von drei Tagen waren wir durch BiH gefahren, was so ursprünglich nicht vorgesehen war. Aber aufgrund fehlender Stellplatzmöglichkeiten und der schlechten Straßen, zog es uns so schnell raus aus dem Land. Landschaftlich ist es definitiv eine Augenweide und es gibt noch so viel mehr zu sehen. Jedoch finden wir persönlich, dass man BiH eher mit einem kleineren Fahrzeug erkunden sollte, als mit so einem Dickschiff, wie Mo es ist.
An der Grenze ging alles dann recht schnell. Die Ausreise aus BiH war innerhalb weniger Minuten erledigt und auch die Einreise nach Kroatien dauerte nur einen Wimpernschlag. Auf der kroatischen Seite wollte lediglich ein junger Grenzposten einen kurzen Blick in unsere Stauraumboxen werfen, da er so ein Wohnmobil vorher anscheinend noch nie gesehen hatte. Danach waren es nur noch wenige Kilometer zu einem bereits bekannten Stellplatz…

Mückenplage in Kroatien
Wir waren wieder in Zupanja angekommen, wo wir im August 2024 bereits ein paar erholsame Tage verbracht und nebenbei ein paar Einheimische kennengelernt hatten.
Bei unserer Ankunft freuten wir uns auf eine schöne kühle Dusche und mussten mit Erschrecken feststellen, dass die Duschen noch nicht montiert und das Wasser auch noch abgestellt waren. Tja, Pech gehabt, wenn man vor Saisonbeginn ankommt.
Nichtsdestotrotz suchten wir uns ein schönes Plätzchen, an dem wir es uns ein paar Tage gemütlich machen wollten. Allerdings mussten wir bereits nach zwei Tagen fliehen - und zwar vor dem Samenflug der hiesigen Weiden. Es sah zum Teil aus wie im Winterwunderland. Wir packten Hab und Gut und sind achtzig Meter weitergezogen! Und schon war Ruhe. Die Fenster konnten wieder geöffnet werden, ohne dass das Fliegengitter in fünf Minuten komplett verstopft war. Zudem schauten wir nun direkt auf den Grenzfluss Save.
Täglich kamen unsere Bekannten zu Besuch, es wurde fleißig Kuchen gebacken und direkt verputzt sowie das brutal sonnige Wetter genossen. Einzig gegen die Mücken fanden wir keine wirkliche Lösung. Nur wenige Wochen zuvor war das Gelände noch überflutet und durch die nun sommerlichen Temperaturen fanden diese kleinen Quälgeister ideale Brutbedingungen. Morgens und abends schwirrten sie zu hunderten, wenn nicht sogar mehr, um uns herum, weshalb wir nach fünf Tagen mit zig Mückenstiche als Andenken diesen schönen Platz verließen.
Stadtbummel durch Osijek
Wir legten erneut einen Zwischenstopp in Osijek ein und fanden ein schönes Plätzchen unweit der Drau mit einigen schattenspendenden Bäumen. Während es bei unserem letzten Besuch hier viel zu heiß war, um sich die Stadt anzuschauen, waren die Temperaturen diesmal ideal dafür.

So machte ich mich auf den Weg und erkundete das ein oder andere Gässchen und auch ein paar Sehenswürdigkeiten. Dabei schlenderte ich an der Promenade entlang, die richtig zum Flanieren einlädt. Mein erstes Ziel war die Kathedrale St. Peter und Paul, das wichtigste sakrale Gebäude der Stadt. Der neogotische Dom gehört mit seinen 90 Metern Höhe zu den höchsten Gebäuden des Landes und ist nicht nur von außen imposant. Im Inneren finden sich wunderschöne Glasmalereien, fünf Steinaltäre sowie bewundernswerte Ornamente und Verzierungen.
Weiter ging es durch die kleinen Straßen des Stadtteil Tvrđa und deren unzähligen historischen Gebäuden. Die prachtvollen Fassaden stammen hauptsächlich aus zwei prägenden Epochen: der Barockzeit (frühes 18. Jahrhundert) und dem Jugendstil (Anfang 20. Jahrhundert). Bei vielen sind noch die Spuren der Jugoslawien-Kriege erkennbar, wobei sie dem Ganzen einen besonderen Charme verleihen. Den Abschluss meiner kleinen Tour bildete der Besuch der Festung Osijek, welche im 18. Jahrhundert errichtet wurde. Während sie anfangs als rein militärischer Stützpunkt diente und vom Rest der Stadt getrennt war, fügt sie sich nun harmonisch in das lebendige Stadtviertel ein.
Am Abend erlebten wir übrigens noch etwas für uns ganz Kurioses. Erst ein undefinierbares, brummendes Geräusch und kurz darauf ein plötzlicher Nebel, der über die Wiesen, durch die Bäume und die Luft zog. Von unseren Bekannten aus Zupanja wussten wir, dass in insektengeplagten Regionen regelmäßig offizielle Maßnahmen zur Bekämpfung von Mücken stattfanden. Dabei werden Insektizide am Boden als auch aus der Luft vernebelt. In unserem Fall fuhr ein Fahrzeug mit dem Gift durch die Gegend. So schnell wie der Nebel kam, so schnell war er auch wieder weg. Angeblich sei er für Menschen ungiftig, weshalb wir jetzt einfach mal hoffen keinen „Schaden“ davongezogen zu haben.
Einfach Durchgerollt
Nach einer Woche verließen wir Kroatien und rollten am 30. Mai 2026 in Ungarn ein, das fünfte und letzte Land in diesem Monat. Dabei hatten wir den entspanntesten Grenzübertritt seit über 1,5 Jahren - kein Anhalten, keine Pässe vorzeigen, keine Kontrolle, einfach nur durchfahren.
Das Landschaftsbild glich immer mehr den ländlichen Regionen Ost-Deutschlands und es fühlte sich fast schon ein bisschen heimisch an. Die Hitzewelle war auch in Ungarn angekommen und so werden wir wahrscheinlich im Juni stets nach schattigen Plätzen Ausschau halten.
Ob uns das gelingen wird, was wir alles in Ungarn erleben werden und wie unsere Reise weitergeht, das erfahrt ihr im nächsten Reiseblog. Von daher seid gespannt, wir sind’s. Bis zum nächsten Mal, wenn ihr mögt!
