Reiseblog Dezember 2025 - Advent, Advent, … und schon war das Jahr vorbei

Der Dezember ist für viele ein eher stressiger Monat – Vorbereitungen für Weihnachten, alle wollen noch schnell etwas erledigt haben und die Feiertage sind oft doch nicht so erholsam, wie gedacht. Bei uns hingegen war es das genaue Gegenteil. 

Trotz, dass wir knapp 650 km gefahren sind, waren unsere Tage meist von Entschleunigung und absoluter Ruhe geprägt. Wir sind weniger die Entdeckertypen, die jeden Tag etwas Neues sehen müssen. Sondern eher die Nomaden, die sich an einem schönen Platz gern mal für mehrere Tage niederlassen, bevor es gemächlich weiter geht.

Wir genossen unser zweites Weihnachten und Silvester in Griechenland, mit unverhofften Geschenken und einer Gastfreundschaft, wie wir sie hier bisher noch nicht erlebt hatten. Auch wenn es so gesehen keine großen Highlights diesen Monat gab, möchten wir euch doch unsere persönlichen kleinen Höhepunkte nicht vorenthalten.

Delfine, Quallen und ganz viel Regen

Relativ zügig ging es zunächst von Thessaloniki die Ostküste Richtung Süden hinunter, erst das Olymp-, später das Pindos-Gebirge im Blick und vorbei an den heißen Quellen bei Thermopylen. Pünktlich zum 1. Advent kamen wir an einem vertrauten Platz direkt am Meer an. 

Hier wurden wir bereits von zwei alten Bekannten empfangen und anfangs standen auch noch drei weitere Camper vor Ort. Wir fanden eine schöne Stelle abseits der Anderen und richteten uns mit Blick zum Meer aus. Unser Kühlschrank war gut gefüllt und wir planten einen Aufenthalt von einer guten Woche ein. Schlussendlich wurden es dann fast zwei Wochen, da wir die Abfahrt immer weiter hinausschoben und wir ab dem zweiten Tag den Platz ganz für uns allein hatten. Abgesehen von einem einzelnen Angler, der regelmäßig vorbei kam und sein Glück versuchte, trafen wir nur auf eine Handvoll Menschen während der restlichen Zeit. 

Wie auch im Vorjahr sahen wir diesmal erneut Delfine, die zum Teil sogar recht nah am Ufer vorbei schwammen. Alle drei Tage ungefähr kamen wir in den Genuss sie beim jagen, spielen oder einfach nur dahingleiten beobachten zu können. Einmal hatten wir sogar das Glück eine Robbe zu sichten, waren jedoch zu langsam um diese auf einem Foto festhalten zu können.

Das Meer war mal ruhig, mal wild, lud aber keineswegs zum baden ein. Unzählige Quallen wurden täglich angeschwemmt – von großen blauen Quallen bis hin zu kleinen durchsichtigen Leuchtquallen war allerhand dabei. 

Während es weiter im Süden von Griechenland starke Unwetter mit Überflutungen gab, bekamen wir glücklicherweise nur einige Tage andauernden Regen ab. Wir befanden uns gerade so immer am Grenzbereich, der von den Unwettern betroffenen Gebiete. Diese Tage harten wir entspannt im Mo aus und verbrachten so auch den 2. Advent an diesem Ort.

Nach Regen folgt meist Sonnenschein und da es einfach so schön war, blieben wir so lange, bis unser Kühlschrank leer war. Nach zwölf Tagen hieß es Abschied nehmen von unserem Delfinplatz, denn Weihnachten wollten wir noch ein Stückchen weiter im Süden von Griechenland sein.

Planänderung und Vorbereitung auf Weihnachten

Ursprünglich hatten wir über Weihnachten bis in den Januar hinein ein Workaway bei Kalamata geplant, wo wir erneut bei der Olivenernte geholfen hätten. Aber da getroffene Absprachen nicht eingehalten worden, sagten wir den Einsatz kurzfristig ab.

Was nun, war die Frage, die wir uns stellten. Es wurde hin und her überlegt, wobei wir uns schlussendlich dazu entschieden Weihnachten an einem ebenfalls vertrauten Ort zu verbringen. 

Einziger Haken an der ganzen Sache. Das Paket meiner Eltern mit all den leckeren Plätzchen war auf dem Weg nach Kalamata. Dazu aber später mehr…

Auf dem Weg in den Süden

Wir füllten unsere Vorräte ordentlich auf, so dass wir diesmal problemlos zwei Wochen autark stehen konnten. Danach setzten wir unseren Weg Richtung Süden fort.

Entgegen unserer üblichen Fahretappen von rund 60 km, legten wir im Dezember meist an die 200 km am Stück zurück. An sich wollten wir den Großteil Autobahn fahren um zügiger voran zu kommen. Aber die griechischen Landwirte machten uns hier einen Strich durch die Rechnung. Mehrere Autobahnauffahrten sowie lange Abschnitte der Autobahn waren aufgrund massiver Bauernproteste gesperrt. Daher wurden wir auf die kleineren Landstraßen umgeleitet, weshalb wir stets länger auf der Straße waren als geplant.

Aber wir hatten ja Zeit und niemand hetzte uns. Je weiter wir Richtung Süden kamen, umso mehr sahen wir die Auswirkungen der letzten Unwetter – Sturmschäden und massive Regenfälle hatten ihre Spuren hinterlassen. Inzwischen war das Wasser verschwunden, Straßen wieder geräumt, aber auf den Olivenfeldern zogen sich zum Teil noch tiefe Furchen, die erstmal glattgezogen werden mussten, ehe es mit der Ernte weitergehen konnte. 

Bevor wir an unserem finalen Weihnachtsplatz ankamen, machten wir noch kurz Bekanntschaft mit Kuschelcampern aus Südkorea. Leider kamen diese zu so später Stunde und wir fuhren am nächsten Tag recht früh weiter, dass es zu keinem Gespräch kam. Denn uns hätte tatsächlich interessiert, wie genau sie von Südkorea nach Griechenland gekommen sind.

Kanal von Korinth – die Sechste

Im Dezember 2024 waren wir zum ersten Mal am Kanal von Korinth. Diesen überquerten wir letzten Winter in Summe fünf Mal.

Fast auf den Tag genau standen wir nun – im Dezember 2025 – zum sechsten Mal vor diesem beeindruckenden technischen Bauwerk. Auch diesmal überquerten wir ihn zuerst nur zu Fuß, schossen die obligatorischen Bilder, sahen erneut keine Boote auf dem Kanal und zogen anschließend weiter zu unserem Ziel für die nächsten Tage bzw. Wochen.

Weihnachten in einer einsamen Bucht

Schlussendlich führte uns unser Weg wieder zu „unserer“ Weihnachtsbucht vom letzten Jahr. Eingebettet zwischen dem Limni Vouliagmeni (Der versunkene See) und dem Golf von Korinth lag dieser Platz auf einer einsamen Landzunge. 

Fred, der Platzkater, begrüßte uns direkt bei unserer Ankunft und freute sich auf die  Wurst, die er die nächsten Tage immer von uns bekam. Anfangs hielt er stets einen kleinen Abstand zu uns, der sich jedoch von Tag zu Tag verringerte, bis er sich zum Schluss sogar auch streicheln ließ.

Die meiste Zeit hatten wir bestes Wetter mit Sonnenschein. Nur ein paar einzelne Tage waren etwas ungemütlich, als ein kräftiger Wind mit vereinzeltem Regen über die Bucht zog. Wir genossen unzählige, traumhafte Sonnenauf- und -untergänge, wie ich es bisher noch nie so intensiv wahrgenommen hatte.

Dieser Platz war schon etwas Besonderes – ruhig, abgelegen und mit einer schönen Aussicht. Tagsüber kamen regelmäßig Angler vorbei und ein Angler hatte uns anscheinend besonders ins Herz geschlossen, obwohl wir nur wenige Worte mit ihm wechselten. Denn dieser – sein Name war Gorgus – stand eines Tages plötzlich mit zwei prall gefüllten Tüten vor unserer Tür, in der allerlei Lebensmittel waren. 

Von Fleisch, Wurst und Käse, über Brot, Nudeln, Wein und Öl bis hin zu Obst und Gemüse war von allem etwas dabei. Gorgus bescherte uns somit mit vorweihnachtlichen Geschenken und wir waren sprachlos sowie unendlich dankbar über so viel Gastfreundschaft. Denn er gab es von Herzen und wollte uns damit eine Freude machen. Dies ist ihm definitiv gelungen.

Kleine Spaziergänge am Strand, eine Wanderung zum nahegelegenen Leuchtturm sowie viele Stunden vor dem Computer oder dem Kindle in der Hand füllten stets unsere Tage. Wir verbrachten ein stressfreies und entspanntes Weihnachten mit selbst gemachtem Nudelsalat und vielen anderen Leckereien.

Das Problem mit dem Plätzchenpaket

Aber trotzdem vermisste ich die Plätzchen meiner Eltern, die schon immer für mich zu Weihnachten einfach dazugehörten.

Bereits Anfang Dezember wurde das Paket auf seine Reise geschickt. Da wir jedoch nicht wie geplant nach Kalamata fuhren, mussten wir uns nun überlegen, wie wir an unser Paket kommen konnten. Schlussendlich einigten wir uns mit dem Empfänger in Kalamata, dass er es uns innerhalb Griechenlands an eine DHL Service Station schicken sollte.

Bevor jedoch der Versand innerhalb Griechenlands erfolgen konnte, musste das Paket erstmal in Kalamata ankommen. Denn da gab es ein kleines Problem. Im Auslandscenter der DHL wurde nämlich der Adressaufkleber mit einem neuen Label überklebt. Aber jemand hatte vergessen die Straße und den Empfänger auf dieses neue Label mit zu übernehmen. Somit wusste die Post nur, dass das Paket nach Kalamata gehen sollte, aber nicht wohin genau.

Dank Sendungsverfolgung wurde ich darüber informiert und nahm Kontakt mit DHL auf. DHL in Griechenland informierte mich, dass das Paket bei einem Courier Service in Kalamata lag. Ich bekam die Telefonnummer und versuchte mehrere Tage erfolglos jemanden zu erreichen. Auch über die Homepage bekam ich keine Antwort.

Ich war um ehrlich zu sein schon ein bisschen am verzweifeln und echt sauer auf die Person, die diesen Mist verbockt hatte. Glücklicherweise bot uns dann der Empfänger in Kalamata an, bei dem Courier Service direkt vorbeizugehen und das Paket abzuholen. Was fiel mir ein Stein vom Herzen, als nach über einer Woche Bangen und Ungewissheit das Paket endlich bei dem ursprünglichen Empfänger angekommen war.

Nun musste es nur noch innerhalb Griechenlands versandt werden – und zwar von Kalamata nach Nafplio. Ob wir es unbeschadet in Nafplio in Empfang nehmen konnten, erfahrt ihr jedoch erst nächsten Monat. 

Ein ruhiger Jahreswechsel

Denn auch den Jahreswechsel haben wir in unserer einsamen Bucht verbracht. Während uns im letzten Jahr Kerstin und Rainer Gesellschaft leisteten, waren wir diesmal ganz allein – abgesehen von Fred, dem Platzkater.

Das Jahr verabschiedete sich ziemlich stürmisch und wir wurden ordentlich im Mo durchgeschüttelt. Lediglich ein paar Glocken um Mitternacht läuteten das neue Jahr ein. Von Feuerwerk und anderer Böllerei waren wir weit entfernt. Wobei dies in Griechenland sowie nicht so extrem gehandhabt wird, wie in manch anderen Ländern. Und darüber waren wir sehr froh.

2025 war unser erstes komplettes Jahr auf Reisen – 365 Tage, 24/7 auf knapp 10 qm. Wir haben gelacht und geweint, geflucht und gejauchzt, uns auch mal gestritten, aber stets wieder vertragen. Ein Jahr voller Begegnungen, unvergesslichen Momenten und vielen ersten Malen.

20 Monate sind wir nun schon in Summe unterwegs und nach wie vor ist kein Ende in Sicht. Wir sind dankbar für diese Art zu leben, denn wir wissen, dass dies ein Privileg ist. Nicht jeder kann sich die Freiheit nehmen oder hat den Mut aus seinen Gewohnheiten auszubrechen. Daher lassen wir euch teilhaben an unserer Reise, um so dem Alltag mal kurzzeitig entfliehen zu können.

Was 2026 für uns bereithalten wird, lassen wir einfach auf uns zukommen. Denn was wir auf jeden Fall gelernt haben, dass Pläne sich sehr schnell mal ändern können. Von daher seid gespannt, wir sind’s.

Bis zum nächsten Mal, wenn ihr mögt!