Reiseblog Februar 2026 - Workaway auf einem Gnadenhof
Der Februar fiel, im wahrsten Sinne des Wortes, komplett ins Wasser. So viel Regen, wie in diesem Monat, hatten wir auf unserer bisherigen Reise in Summe gehabt. Neben Regen gab es auch ordentlich Sturm, teils mit Gewittern oder auch Sahara-Staub. Das drückte ordentlich auf die Stimmung und sobald die Sonne rauskam, wurde jede Minute draußen genossen.
Sofort hellte sich die Laune auf und wir kosteten jeden noch so kleinen Sonnenstrahl aus. Doch nicht nur die Sonne brachte uns zum lächeln, auch die vielen Drei- bzw. Vierbeiner des Gnadenhofs von Iris und Christo, wo wir unser zweites Workaway für diesen Winter absolvierten.
Wie unser Arbeitsalltag hier aussah, welches Fellknäuel sich dabei in unser Herz geschlichen hatte und was wir sonst noch so erlebt haben, möchten wir euch in den folgenden Zeilen näher bringen.
Von Hunden und Katzen
Über 30 Hunde und knapp 20 Katzen haben bei Iris und Christo ein neues Zuhause gefunden. Der Großteil ist krank, alt oder behindert. Aber es gibt auch junge Hunde und Katzen, die zum Teil noch vermittlungsfähig sind, jedoch auch schwer sozialisierbar.
Jeder hat seinen Platz – die Hunde leben in mehreren Rudeln und die Katzen haben ein eigenes Haus mit richtig schönem Garten. Der Großteil der Tiere wurde gefunden – zum Teil von ihnen selbst, zum Teil von anderen und dann zu ihnen gebracht. Ein paar einzelne wurden aus anderen Sheltern gerettet, wo sie bereits kurz vor dem Aufstieg zur Regenbogenbrücke standen. Auf dem Gnadenhof wurden sie wieder aufgepeppelt und erhalten nun viel Liebe und Fürsorge in ihren letzten Jahren.
Aber es gibt auch ein paar Unikate, die vorher auf der Straße gelebt haben und von selbst zu ihnen gekommen sind. Anscheinend hatte sich unter den Streunern rumgesprochen, dass es bei Iris und Christo ein trockenes Dach über dem Kopf sowie täglich Futter gibt.
Einer der letzten Zugänge ereignete sich an Weihnachten, als sie einen knapp vier Wochen jungen Welpen gefunden hatten. Die kleine Noel hält eines der Rudel ordentlich auf Trab und freut sich über die vielen Spielgefährten – wobei es auch einige Senioren gibt, die weniger begeistert von dem quirligen Wirbelwind sind. Aber diese weisen sie entsprechend in die Schranken und so lernt sie auch gleich ein paar Verhaltensregeln.
In den letzten Tagen unseres Aufenthaltes gab es noch zwei weitere Neuankömmlinge, die schon ordentlich vom Leben auf der Straße gezeichnet waren. Abgemagert bis auf die Knochen, extrem geschwächt und zum Teil mit Bisswunden anderer Hunde übersäht. Auf dem Gnadenhof bekamen Nonna und Bo nun ein festes Zuhause. Beide sind bereits weit über 10 Jahre alt und müssen zunächst ganz langsam an die neue Umgebung gewöhnt werden, damit sie später Teil eines der Rudel werden können.
Ein Tag im Katzenhaus
Da die anderen Workawayer inkl. Christian alle eine Katzenallergie hatten, war von vornherein klar, dass ich mich um die Katzen kümmern würde. Ich muss auch gestehen, dass ich mich bei den Morlies um einiges wohler gefühlt hatte. Die Atmosphäre war viel ruhiger, ebenso auch der Geräuschpegel. Die Aufgaben waren recht überschaubar und an sich auch jeden Tag die selben. Als erstes erhielten die gefräßigen Tiger ihr Nassfutter und die ersten Streicheleinheiten. Nicht alle waren verschmust und mit der Zeit kannte ich die Eigen- sowie Besonderheiten der kleinen Fellnasen.
Anschließend ging es an die Reinigung der Katzenklos, dem Ausschütteln und Enthaaren der Decken sowie Kissen, aber auch ab und an dem Abbürsten der Kratzbäume. Dies war stets eine flaumige und recht staubige Angelegenheit, wobei ich regelmäßig niesen musste. Außerdem musste das Wasser inkl. Trockenfutter regelmäßig aufgefüllt, die Schränke abgeputzt sowie der Boden gekehrt und gewischt werden. Und ganz wichtig – zwischendurch immer ganz viel streicheln.
Neben der schneeweißen blinden Flocke, Rainbow mit ihren Regenbogenaugen und der flauschigen Princess, gab es unter anderem noch den frechen Peter Pan, den scheuen dreibeinigen Grey und die wackelige Habibi – um nur mal ein paar Einzelne zu nennen.
Habibi hatte es Christian besonders angetan. Denn trotz Allergie kam er immer mal im Katzenhaus vorbei, wenn er ein paar Minuten Ruhe brauchte. Außerdem hatte er auch den schönen Katzengarten von Unkraut befreit und wurde dabei ebenfalls von den Morlies in Beschlag genommen.
Ich hingegen hatte mich ein wenig in die kleine Flocke verliebt, welche stets meine Nähe suchte, wenn ich da war. Fast täglich schmusten wir miteinander und anschließend war ich mit lauter feinen Fellhaaren bedeckt.
Tretminen, Sägespäne und viel Unkraut
Christian sein Arbeitsplatz hingegen war etwas abwechslungsreicher, da er mal drinnen und mal draußen war – die meiste Zeit jedoch stets von Hunden umgeben und somit ebenfalls in einem haarigen Umfeld.
Neben dem täglichen Einsammeln der Hinterlassenschaften der Drei- bzw. Vierbeiner, gehörte das Kehren und Wischen der Hundeküche zu den allgemeinen Hundeaufgaben. Hier wechselte sich Christian stets mit den anderen Workawayern ab.
Ansonsten kümmerte er sich um das Entfernen von Unkraut, dem fachmännischen Schneiden von Bäumen, Holz sägen und hacken sowie regelmäßigem Rasen mähen. Denn dieser wuchs so rasend schnell während unseres Aufenthaltes, dass er mehrmals das Vergnügen hatte den Rasenmäher anzuschmeißen.
Eine kleine Herausforderung war der Bau und die Montage eines Verbissschutzes für einige kleine Sträucher und Yucca-Palmen. Hierbei musste er etwas improvisieren. Denn er hatte lediglich ein paar Eisenstangen, etwas Zaun auf der Rolle sowie alten Draht zur Verfügung. Aber Daniel Düsentrieb ließ wieder grüßen und das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen. Die Hunde kamen nun nicht mehr an die Pflanzen ran, so dass sie in Ruhe wachsen konnten.
Außerdem galt auch bei Christian ganz viel streicheln während der Arbeit, denn der Großteil der Hunde war unheimlich liebe- und schmusebedürftig. Selbst unsere zwei Aufpasser, Ken und Jojo, die auf den ersten Blick sehr furchterregend wirkten, waren richtige Knuddelnasen.
Auf den Hund gekommen
An Hunderassen und Charaktereigenschaften war fast alles vertreten. Vom arroganten Castro, der sich von niemandem etwas sagen ließ. Der hyperaktiven, dreibeinigen Venus, die nie Erfolg beim Mäuse fangen hatte. Über den tollpatschigen Big Boy, mit der Größe eines Schafes, Gismo, dem flauschigen, weißen Schweinchen und der quirligen Luna mit ihren zwei verschieden farbigen Augen. Bis hin zu der freiheitsliebenden Happy, die einen stets anlächelte, dem gutmütigen Samson, dem kleinen Bruder von Chewbacca und dem tapferen Nacho, ein Dreikäsehoch im Rollstuhl. Ich könnte auch noch die restlichen Hunde vorstellen, aber das würde den Rahmen sprengen bzw. wäre für den ein oder anderen vielleicht langweilig.
Auch wenn der Großteil der Hunde extrem knuddelbedürftig war, durfte man jedoch nie vergessen, dass es sich zum Teil auch um gefährliche Hunde handelte und es gewisse Rivalitäten unter den Rudeln gab. Mit entsprechendem Respekt und auch einer Brise Vorsicht traten wir ihnen stets entgegen.
Beim Füttern war die Rangfolge in den Rudeln besonders sichtbar. Daher gab es auch eine feste Routine – angefangen von der Uhrzeit, über die Reihenfolge der Ausgabe der Futternäpfe bis hin zum jeweiligen Platz, wo die einzelnen Hunde fraßen.
Manch einer musste beschützt werden, damit ihm kein anderer das Futter wegfraß oder brauchte Ruhe bzw. keine Ablenkung. Und manch anderer wartete geduldig, bis er an die Reihe kam. So unterschiedlich die Charaktere waren, beim Fressen waren sich alle einig. Das, was sie vorgesetzt bekamen schmeckte und die Portionen waren ausreichend. Auch wenn es fast jeden Tag das Gleiche gab – geschrotenes Soja und Trockenfutter ordentlich in Wasser aufgeweicht bzw. -gequollen – machte keiner den Eindruck, als wenn er hungern würde.
Jeden Tag ein anderes Essen
Verhungern taten wir übrigens auch nicht. Im Gegensatz zu unserem letzten Workaway, wo wir bekocht worden, bekamen wir hier die Grundnahrungsmittel, wie Brot, Nudeln, Reis und Obst/Gemüse gestellt, und konnten selber unser Essen kochen.
In der Hundeküche, wo auch das Futter für die Hunde zubereitet wurde, konnte ich mich nach Herzenslust austoben. Fast täglich zauberte ich uns etwas Frisches auf die Teller. So gab es mal einen leckeren Bauerntopf, mehrmals Pasta mit Brokkoli, hin und wieder eine bunte Gemüsepfanne, dann mal einen deftigen Linseneintopf, ein paar fettige Bratkartoffeln oder auch mal einfach nur ein paar Eierkuchen.
Und meist gab es sogar noch etwas Süßes zum Nachtisch oder zwischendurch. Wir ließen es uns kulinarisch richtig gut gehen und gönnten uns auch hin und wieder ein schönes leckeres Stück Spanferkel. Denn irgendwie brauchten wir ganz viele Glückshormone, da das Wetter den Großteil unseres Aufenthaltes grau, kalt und nass war und ziemlich auf die Stimmung drückte.
Regen, Regen und nochmals Regen
Ungefähr 80% der Zeit auf dem Gnadenhof fiel Regen und das in einer Menge, die für diese Region und Jahreszeit keineswegs normal war. Getoppt wurde das Ganze noch mit vereinzelten starken Gewittern, Hagel, Sturm in Kombination mit Sahara-Staub und mehreren Unwetterwarnungen.
Aufgrund dessen fiel die nachmittägliche Gassirunde mit den Senioren fast immer ins Wasser – im wahrsten Sinne des Wortes. Wobei es gerade für diese so wichtig war, dass sie wenigstens einmal am Tag spazieren gingen. Denn man wusste nie, wann es ihr letzter Spaziergang war. Glücklicherweise trat keiner der älteren Herrschaften seine letzte Reise an, als wir vor Ort waren.
Unsere treuesten Begleiter während des Aufenthaltes waren übrigens Gummistiefel, welche wir freundlicherweise gestellt bekamen. Denn wenn wir doch mal Gassi gehen konnten, liefen wir teilweise durch kleine Bäche hindurch, da die Wiesen und Wege schlichtweg überschwemmt waren.
Daher waren wir auch froh einen festen Platz zu haben, wo wir die extreme Schlechtwetterphase problemlos mit Mo stehen konnten und nicht ständig einen Ortswechsel vornehmen mussten. Große Ausflüge waren aufgrund des Wetters sowieso nicht möglich, aber untätig waren wir trotzdem nicht.
Das ein oder andere Projekt an Mo konnte Christian abhaken, wie den Wechsel der Bremsflüssigkeit. Der seltene Sonnenschein wurde stets direkt zum Wäsche waschen genutzt. Nebenbei wurde auch fleißig im Homeoffice gearbeitet und die Planung unserer weiteren Reise abgestimmt. Dazu aber in den kommenden Monaten mehr.
Kleine Ausflüge fanden jeden Sonntag statt, wenn es auf den Markt direkt im Nachbarort ging. Hier deckten wir uns mit so manch Leckerei ein und sahen auch ein wenig von der Umgebung, wie z.B. über 1.000 Jahre alte Olivenbäume oder auch mal das Meer.
Ausflug nach Kalamata
Einmal gab es sogar einen größeren Ausflug, als Christo, Iris und ich nach Kalamata fuhren. Die Stadt ist bekannt für deren Olivensorte „Kalamon“, welche ihr auch den Namen gab. Neben unzähligen vielen schmalen Gassen, einigen alten, verfallenen Fassaden unweit recht neu wirkenden Häusern, machte Kalamata einen verhältnismäßig ruhigen, eher uninteressanten Eindruck auf mich – abgesehen vom chaotischen Verkehr auf den Straßen.
Der große Wochenmarkt hingegen zog schon eher meine Aufmerksamkeit auf sich. Es gab große und kleine Stände mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, getrockneten Kräutern, aber auch Blumen bis hin zu kleinen Pflanzen für den Garten.
Und nur knapp 1,5 km entfernt, befand sich, in einer kleinen Seitenstraße versteckt, sogar ein deutscher Bäcker, welcher seine Brot- und Backwaren ausschließlich mit deutschem Mehl bäckt. Neben leckeren Bretzeln und einem guten Roggenbrot wanderte auch ein großes Stück Schwarzwälderkirschtorte in den Einkaufskorb. Ein absoluter Geheimtipp noch und eine klare Empfehlung von mir.
Fazit zum Gnadenhof
Fast sechs Wochen waren wir nun schon auf dem Gnadenhof und werden noch ein paar weitere Tage im März hier verweilen. Nichtsdestotrotz möchten wir euch bereits jetzt unser Fazit zu diesem Workaway mitteilen.
Anders als bei unseren bisherigen Workaways war es hier weniger körperliche Arbeit, sondern mehr psychische. Diese war jedoch trotzdem anstrengend und am Abend fielen wir stets erschöpft ins Bett.
Es war eine unheimlich wertvolle Erfahrung für uns, so eng mit Tieren zusammen zuarbeiten und auch einen tieferen Einblick in das Leben auf einem Gnadenhof zu erhalten. Wir sind dankbar für die Möglichkeit und haben großen Respekt für die Betreiber und Helfershelfer solcher Einrichtungen.
Würden WIR es jedoch in der Form noch einmal machen? Unabhängig voneinander lautet unsere Antwort zu dieser Frage – nein. Versteht uns bitte nicht falsch. Wir unterstützen bereitwillig solche Projekte und haben gerne Tiere um uns herum, aber die Anzahl der Tiere war uns auf Dauer schlichtweg zu viel.
Jedes Tier verlangte Aufmerksamkeit, aber leider war es nicht möglich jedem die notwendige Aufmerksamkeit auch zukommen zulassen. Gerne hätten wir mit der ein oder anderen Fellnase mehr Zeit verbracht und uns intensiver um sie gekümmert. Jedoch wäre dies den anderen gegenüber unfair gewesen.
Daher würden wir in Zukunft, wenn wir noch einmal ein Workaway mit Tieren machen, eher ein Projekt unterstützen, bei dem die Anzahl der Tiere überschaubar ist und die Hilfe nicht nur aus füttern, putzen, gelegentlichem streicheln und Gassi gehen besteht.
Im März wird es Zeit für uns langsam weiterzuziehen und unser nächstes Ziel Richtung Norden anzupeilen. Der Winter ist vorüber und der Frühling hält bereits Einzug hier in Griechenland. Alles blüht und überall summt es. Die Temperaturen werden langsam wärmer und die Sonne lässt sich auch wieder öfter blicken.
Daher freuen wir uns auf die baldige Weiterfahrt, dem regelmäßigen Wechsel des Vorgartens und auch auf die Ruhe und Einsamkeit. Wo es genau langgeht, ob wir den ganzen März noch in Griechenland sind und was wir alles auf unserer weiteren Reise erleben – das erfahrt ihr im nächsten Reiseblog.
Von daher seid gespannt, wir sind’s. Bis zum nächsten Mal, wenn ihr mögt!




















































































