Reiseblog November 2025 - Unsere erste Olivenernte

Ein kurzweiliger und lehrreicher November liegt hinter uns, in dem wir viel über Oliven, deren Ernte und die weitere Verarbeitung, erfahren konnten. 

Außerdem genossen wir etliche sonnige und warme Tage, den ein oder anderen Kurzausflug und konnten im Gegenzug auch einige Projekte am Mo erfolgreich umsetzen. 

Ob wir zum Schluss von Oliven auch geträumt haben und was uns noch so widerfahren ist, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Unser Gastgeber

Ende Oktober fanden wir uns bereits bei unseren Gastgebern Vanessa, Yiannis und deren knapp einjährigem Sohn ein, welche sich ein kleines Paradies erschaffen haben. 

Vor knapp fünf Jahren fanden sie ein passendes Grundstück und bauten sich ein Haus, ausschließlich aus Naturmaterialien aus der näheren Umgebung. Der Blick aus dem Panoramafenster zeigte das Meer und eine wunderschöne Bergkulisse im Hintergrund, unter anderem auch den Olymp. Genau diesen Ausblick hatten wir auch von unserem Stellplatz aus, inkl. einiger Olivenbäume direkt vor der Tür.

Ein Garten, der sich noch im Aufbau befindet, ein paar Hühner, die Hundedame Junam sowie ein kleiner namenloser Kater vervollständigten das Ganze. Kulinarisch wurden wir bestens versorgt und auf gesunde Ernährung dabei sehr viel Wert gelegt. So gab es neben leckerem Gerstenbrot allerlei verschiedene vegetarische Gerichte, zu denen stets ordentlich Olivenöl gereicht wurde. Dieses Olivenöl stammte von ihren eigenen Oliven und Yiannis erklärte und zeigte uns mit viel Herzblut und sehr ausführlich, wie er die Oliven erntet und was im Anschluss mit ihnen passiert. 

Weit über 2.000 Olivenbäume verteilt auf drei Plantagen waren Yiannis ganzer Stolz. Dabei baute er verschiedene Sorten an, je nachdem für welchen Verwendungszweck sie gedacht waren. Denn nicht jede Olive war für den Verzehr geeignet. Zumal eine Olive grundsätzlich auch nicht roh gegessen werden sollte, aufgrund der vielen Bitterstoffe.

Olivenernte per Hand

Bereits im September wurden im Norden Griechenlands die grünen Oliven geerntet, aus denen ausschließlich Olivenöl gepresst wurde. Jetzt im November waren die restlichen, schwarzen Oliven reif und bei deren Ernte halfen wir tatkräftig mit.

Anders als viele denken, wurden hier die Oliven nicht mit Maschinen, sondern noch per Hand geerntet. Anfangs pflückten wir nur die üppigen und reifen Oliven, da diese anschließend in großen Fässern eingelegt wurden, wobei sich stets eine Schicht Salz und eine Schicht Oliven abwechselten. Das Ganze würde dann mindestens vier Monate in den Fässern reifen. Später werden sie in die Sonne zum trocknen gelegt und wären zum Verzehr bereit.

Die restlichen Oliven wurden von den Ästen gestreift, was mit dem Melken einer Kuh verglichen werden kann. Als Alternative zur Hand stand uns auch ein Rechen zur Verfügung, den wir jedoch nur einmal ausprobierten. Die Oliven fielen diesmal auf große Planen, von wo aus sie in Körbe kamen. Ein kleiner Teil der Oliven wurde anschließend zur Presse gebracht und zu köstlichem Öl verarbeitet. Wir erhielten sogar eine kleine Führung durch die Presse, wo alles hochautomatisiert vonstatten ging und konnten auch direkt das frische Öl kosten.

Es war ein äußerst ertragreiches Jahr für die Olivenanbauern, denn die Oliven waren zum Teil so groß wie Pflaumen. Aus ca. 5 kg Oliven bekam Yiannis 1 Liter Öl, was ein sehr gutes Verhältnis war.

Der Großteil der restlichen Oliven machte jedoch Bekanntschaft mit der Sortiermaschine – von uns auch liebevoll Höllenmaschine genannt. Hier wurden die Oliven ihrer Größe nach sortiert und wir mussten sämtliches Blattwerk sowie die ein oder andere noch grüne Olive aus den Körben entfernen. Denn diese sortierten Oliven wurden später in Salzlauge eingelegt und auf Märkten verkauft bzw. waren für den Eigenverzehr unserer Gastgeber.

Zum Schluss bekamen die abgeernteten Olivenbäume organischen Dünger gereicht, damit sie für die nächste Saison neue Kraft tanken und sich erholen konnten. 

Holzwürmer und Sägespäne

Doch wir unterstützten nicht nur bei der Ernte der Oliven, sondern übernahmen auch ein paar andere Arbeiten rund um Haus und Grundstück unserer Gastgeber.

So mutierte Christian zum Holzwurm und konnte seiner Leidenschaft der Arbeit mit Holz nachgehen. Er schliff und sägte Bretter sowie Balken, welche für eine zusätzliche Ebene im Haus von Vanessa und Yiannis benötigt wurden. 

Junam und der kleine Kater beobachteten dabei alles stets mit aufmerksamen Augen und holten sich hin und wieder eine Streicheleinheit ab.

Mähschafe, Gartenarbeit und Pflanzzeit

ch hingegen hatte die Gelegenheit zum ersten Mal einen Rasentrimmer zu benutzen, mit dem ich einen Weg freimachte, wo später ein Zaun für die Hühner verlaufen sollte. Aktuell liefen diese nämlich noch quer über das gesamte Grundstück.

Außerdem wurden Zwiebeln, Brokkoli und Knoblauch gepflanzt sowie ein paar Aloe am Wegesrand. Das Holz für den Winter stapelte ich griffbereit und ein Zaun um den frisch gepflanzten Brokkoli musste aufgestellt werden, da die Hühner sich gierig über die jungen Pflanzen hermachten. 

So hatten wir ein paar Tage Pause von den Oliven und konnten diesen noch ein wenig Zeit zum weiteren reifen geben.

Alle 10.000 km

In unserer Freizeit blieben wir jedoch nicht tatenlos, denn wer uns kennt, weiß, dass vor allem Christian stets irgendeinem Projekt am Mo nachgeht und immer was zum basteln braucht. Auf unserer ToDo-Liste stand seit kurzem ein Punkt ganz weit oben und diesen wollten wir erledigt haben.

Innerhalb des letzten Jahres waren wir gut 10.000 km gefahren und das Rotieren der Räder stand somit wieder einmal an. Auch wenn eine Grasfläche nicht der ideale Untergrund hierfür war, kamen wir zügig voran. 

In dem Zuge zog Christian auch jeweils die Bremstrommel und überprüfte die Bremsen. Alles sah tipp topp aus. Was anderes hatte ich jedoch auch nicht erwartet, bei der Pflege, die Mo stets bekommt.

Patralona Höhle

Während Christian noch das letzte Rad wechselte, unternahm ich einen kleinen Ausflug. Keine 5 km von unserem Stellplatz entfernt, befand sich die Petralona Cave. Hierbei handelt es sich um eine Tropfsteinhöhle, in der es unzählige Stalaktiten und Stalagmiten gibt, welche zum Teil sternförmig wachsen. 

Dies sah richtig beeindruckend aus und ich konnte mich fast nicht satt sehen. Im Vergleich zu anderen Höhlen ist es erstaunlich warm und auch recht trocken im Inneren. 

Auf einem ca. 250 m langen Höhlenrundgang bekommt der Besucher ca. 1/10 der Höhle zu sehen. Unter anderem ist auch die Stelle markiert, an der 1960 ein vollständig erhaltener, fossiler Schädel gefunden wurde, der ca. 300.000 Jahre alt und ein Vorfahre des Neandertalers ist. 

Ein Duplikat des Schädels ist im angrenzenden Museum ausgestellt, sowie diverse Knochenfunde von verschiedenen Tieren, wie: Bären, Hyänen, Löwen, Wolf, Rhinozeros und Bisons.

Außerdem entdeckten die Archäologen auch verschiedene Werkzeuge, welche von den damaligen Menschen angefertigt wurden.

Ein Besuch der Höhle ist aus meiner Sicht jedoch nur in der Nebensaison zu empfehlen, da dann das Preis-Leistungs-Verhältnis passt. Denn nach rund einer Stunde trat ich bereits den Rückweg an.

Kleine Ausflüge ans Meer

Neben dem Besuch der Höhle, stattete ich auch dem nahegelegenen Meer zweimal einen Besuch ab. Hierfür nutzte ich die öffentlichen Verkehrsmittel, was erstaunlich gut funktionierte. 

Einmal ging es in die rund 10 km entfernte Kleinstadt Kallikratia und ein anderes Mal nach Nea Moundania, was rund 25 km entfernt war. Da bereits Nebensaison herrschte, gab es so gut wie keine Touristen in den Städten und so konnte ich gemütlich durch die Gassen schlendern. Dabei war stets ein ganz bestimmter Bäcker mein Ziel, bei dem es außer dem leckeren Gerstenbrot auch eine große Auswahl an Kuchen und anderen Süßspeisen gab.  

Christian widmete sich derweil stets dem ein oder anderen Bastelprojekt am und im Mo. So gab es unter anderem zwei neue Bezüge für zusätzliche Sitzpolster sowie ein Update unseres Wäscheleinen-Setups.

Fazit zum ersten Workaway

Die letzten vier Wochen drehte sich bei uns fast alles nur um die Olive und es war eine wahnsinnig interessante, wenn auch zum Teil anstrengende Zeit. Unser Rücken hatte oftmals ganz schön zu leiden und freute sich fast täglich auf den Feierabend. 

Aber trotz allem, möchten wir diese Erfahrung nicht missen. Denn erst wenn man weiß, wie viel Aufwand hinter diesem ganzen Prozess von der Ernte der Olive bis hin zum Öl oder Fass steckt, lernt man das Produkt ganz anders zu schätzen. Auch wenn mir Oliven nach wie vor nicht schmecken, so kann ich jetzt doch einfaches von wirklich gutem Olivenöl unterscheiden.

Unser erstes Workaway für diesen Winter verlief äußerst positiv und wir hatten mit Vanessa und Yiannis auch unheimlich sympathische Gastgeber. Es wurde viel gelacht, wir erhielten einen tieferen Einblick in die griechische Kultur und konnten unsere Englisch- sowie Griechisch-Sprachkenntnisse erweitern.

Ab in den Süden

Aber alles hat irgendwann auch ein Ende und wir wussten von vornherein, dass unser Aufenthalt nur eine begrenzte Zeitspanne sein würde. 

Zum Ausgang des Monats hin wurden die Temperaturen merklich kühler, der Großteil der Ernte war abgeschlossen und für uns wurde es Zeit Richtung Süden aufzubrechen. 

In Thessaloniki legten wir noch mal einen Zwischenstopp ein, da ich dringend neue Schuhe brauchte. Sämtliche Geschäfte waren weihnachtlich geschmückt und im Hintergrund lief überall dezent die passende Musik. So langsam kam auch ich in Weihnachtsstimmung und ich freute mich schon auf das Paket meiner Eltern mit all den leckeren Plätzchen drin.

Doch um dieses in Empfang nehmen zu können, mussten wir erst noch mehrere hundert Kilometer hinter uns bringen. 

Um zu unserem eigentlichen Winterziel zu gelangen, werden wir erneut die Ostküste Griechenlands entlang fahren und an dem ein oder anderen bekannten Stellplatz einen Stopp einlegen.

Welche Plätze das sind, wo wir Weihnachten und den Jahreswechsel verbringen werden und ob das Paket mit den Plätzchen heil bei uns ankommt, erfahrt ihr nächsten Monat. Von daher seid gespannt, wir sind’s. Bis zum nächsten Mal, wenn ihr mögt!